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Let it snow, let it snow, let IT snow

Notiert von Meister B. am 20. November 2011 unter Alltag, Episoden, Stammtisch

Warum immer Schnee pünktlich zum Totensonntag?

Jedes Jahr pünktlich zum Totensonntag holte Omma ihren Pelz aus dem Schrank und die ganze Gruppe watschelte zum Friedhof. Um den Lieben einen Besuch abzustatten und auch um Herr X oder Frau Y zu treffen, um zu schnattern.
Der Pelz war in meiner Erinnerung irgendwie so ein komischer Braunton und nicht gerade modisch. Aber kurz danach, fiel fast immer der erste Schnee …

… es ist zwar sehr lange her und leider kann ich heute nicht meine Lieben besuchen. Aber diese skurille Sache gefiel mir irgendwann sehr und wurde irgendwann in mein Verhalten übernommen.

Tja und so schneit es halt ab heute mal wieder, in Gedenken an die Ahnen, auf dieser Seite … Denn nur wer vergessen wird, ist wirklich tot!

(Würd ja gern die Deko schon rausholen, aber die eine Woche wird noch eisern durchgehalten)
schaaaaade

 
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Das Märchen vom Schatz im Silbersee

Notiert von Meister B. am 1. Dezember 2009 unter Episoden, Natur, Satire

Es war einmal ein Land, welches irgendwann im 20. Jahrhundert existiert haben soll. In den 80 Jahren dieser Epoche sagt man, lebte ein kleiner Cowboy, welcher immer von großen Abenteuern träumte.
Doch war er zu klein und in vielerlei Hinsicht eingeschränkt in seinem Handeln und vor allem Denken, sodass dieser Traum nur in Form eines Spielzeugrevolvers, einer Packung Zündplättchen aus dem Spielwarengeschäft und einem alten herumliegendem Hut bestand.

Oft hörte er des Abends, wenn er zu Bett musste, von älteren Generationen alte Geschichten eines Mannes, welcher Karl May hieß. Dieser Mann soll durch Schriften Illusionen erschaffen können, welche Wahrheit enthielten, obwohl er selber nie diese Welten besucht haben soll.

Sollten es wirklich nur imaginäre Welten gewesen sein, oder steckte da mehr dahinter?

Jedes Jahr zu den Weihnachtsfeiertagen, flimmerten im sogenannten Pantoffelkino Geschichten von Helden und Anti-Helden über den Bildschirm, welche ja doch diesem Karl May sehr ähnlich waren.

Bewaffnet mit Spielzeugrevolver, Zündplättchen, Hut und geerbten, selbst gebautem, hölzernem Schaukelpferd, wurde munter den Helden aus dem Kasten nachgeeifert. Und wehe es störte jemand das 2-stündige Abenteuer …

Doch mit der Zunahme der Körpergröße, wächst in der Regel auch der Geist mit. Und so taten sich eines Tages Fragen auf, ob es den Silbersee wirklich gibt und wo genau er liegt!? Doch leider wurde man schnell enttäuscht von Mitmenchen. Diese meinten, dass es dieses Land nicht gibt und niemals geben wird und amtlich auf 108.179 km² festgelegt wurde.
Traurig und ernüchtert zog der kleine Mann von dannen, aber hatte sich doch etwas von der Hoffnung bewahrt, dass es doch irgendwo doch so einen See mit Happy End geben muss. Er war sich ganz sicher und glaubte immer weniger daran, was andere ihm erzählten.

Bis nach einer langen Zeit dieser eine spezielle Tag kam, der die Welt aus den Fugen heben sollte.

Die Welt wurde größer und war auch real zum Anfassen. Der große weite Wind der Freiheit winkte entgegen und schien nichts unmöglich sein zu lassen.
Doch schien dieses Glück nicht von langer Dauer zu sein. Menschen versammelten sich nicht mehr auf Arbeit, sondern tummelten sich lieber im Saloon vor dem Stand am Imbiss. Die künstlerische Liga erlebte eine Blüte unbekannten Ausmaßes. Wen interessierte es noch, ob ganze Häuserfassaden besprüht werden, Jugendämter hoffnungslos überfordert sind, wenn Kinder 24 h am Tag vor dem PC sitzen, schlecht ernährt sind und am Ende des Ozeans in heime verfrachtet, oder gar umgebracht werden. Wen interessiert es denn noch, ob man in der Schule gute oder schlechte Noten bekommt, da man sowieso später abgesichert ist und der Rest der Dummen noch arbeiten geht, um eine Mehrheit abzusichern? Wen interessiert es denn noch, ob Mütter im Wochentakt Väter austauschen und Väter beim Vergnügen Kinder in die Welt setzen und verschwinden? Warum noch kleine Dinge wie Bitte und Danke sagen, Mitmenschen begrüßen und mit Respekt begegnen? Ja was soll man denn auch den ganzen Tag machen, wenn man nix zu tun hat. Irgendwas aus dem Ausland, oder nicht-existentes aus dem Geschichtsbuch muss herhalten! … Weil eben nur MIR die Welt gehört …

Angst? Das ist auch meine Absicht. Denn würde man nicht den Kostenfaktor für Sicherheits – und Warmsysteme zum Vorwand nehmen, würde man mittlerweile vom Sirenengeheule wahnsinnig werden, so oft wie Feuerwehren, Rettungsdienste und technisches Hilfswerk JEDEN Tag ausrücken müssen. Warum? Armut macht kriminell! Dann bräuchte man auch keine Comedy Veranstaltungen in sächselnder Mundart, wie Kripo Live mehr.

Und so erwachte ich aus dem Traum und fand mich in einer anderen Realität wieder. Denn mir wurde in dem Moment wieder bewusst, ich habe ja meinen Schatz vom Silbersee schon längst gefunden; meine Freundin!

Ich bin glücklich, was interessieren mich Probleme anderer Menschen? … Aber manchmal gehen auch die kühnsten Träume in Erfüllung und nehmen ihren eigenen Lauf der Zeit, ohne den Bezug zur Vergangenheit zu verlieren … For A Few Dollars More – Die Wahl zwischen Karriere oder Meinungsfreiheit

Aber dennoch sollen manchmal Weihnachtsengel auf die Erde fallen, denn die Hoffnung stirbt immer zuletzt … Weihnachtsengel

 
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Dicker Heinrich

Notiert von Meister B. am 17. August 2009 unter Episoden, Satire

Lange bevor es die Neuauflage in Likörform gab, bin ich mit dem Ollen aufgewachsen. Egal ob ich im Sandkasten an der Burglinde irgendwas baute, dort Laufen lernte und mich der Länge nach wohl oft hinlegte dabei, hinten an der ehemaligen Aschengrube mit den damals dort gelagerten Kanonen “imaginary number” spielte, irgendwelchen Ausgrabungsarbeitern an der Kirche auf den Leim fiel, den rasenden DRK Autos weichen musste und mal entsetzt in ein freigelegtes Grab guckte, der Heinrich war immer präsent. Am faszinierensten wohl, wenn er in dicke Nebelschwaden gehüllt ist und man nur noch grob die Umrisse erkennt.

Nun stand ich am Samstag nach langer Zeit mal wieder vor ihm und guckte nach oben. Nun bin ich ja auch nicht mehr so ganz neu und sah oben am Zinnenkranz irgendwas wackeln.

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Hmm, wenn man nicht ohne Brille so gut gucken kann, kann es sehr interpretationswürdig werden. Rapunzel? Ob ich mal hochrufe? Hmm, das Museumspersonal hinter mir in der neuen Kasse, hätte mir dann bestimmt einen Vogel gezeigt und mir bestimmt etwas Kühles gebracht.
Ein paar Schritte weiter, sah ich aber den unteren Eingang. Das wäre wohl doch unlogisch, Besucher bis auf dem Zinnenkranz zu befördern, wenn unten die Haustür offen ist.

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Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, es war ein Bäumchen. Schon erstaunlich, wie entweder durch Windbestäubung, oder aber auch Samenkörner, welche an Vögeln haften bzw. von jenen bis sonst wohin befördert werden. Da dieser Turm nicht zugänglich ist, wird es immer wieder so kommen, dass sich früher oder später Bäume am Mauerwerk zu schaffen machen und dieses schädigen.
Man sagt, das oben auf zwischen den Zinnen und dem “Loch” nach unten, bequem ein Kleinwagen langfahren könne.

Vielleicht erlebe ich es ja eines Tages doch noch, wenn man diesen Turm regulär besteigen kann. Im thüringischen Steinbach-Hallenberg, funktionierte es im kleinerem Umfang auch. Ich kenne die Hallenburg noch ohne Dach.

Mal einfach so visionär in den Raum werf: Der Dicke Heinrich braucht wieder eine Mütze! Wer ist dafür? Hand hoch! /meld :)
Der arme Kerl kann ja schließlich nicht alle 20 Jahre restauriert werden und damit ne Menge an Unkosten verursachen. Wenn jeder am Wochenende mal 1 Bier weniger trinkt und das Geld dem Ollen spendet, haben wir schon ne Tür usw.

Wenn Träume sterben, dann wirst du alt …

 
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Was sind schon 10 Jahre?

Notiert von Meister B. am 29. Juni 2009 unter Episoden

Wie schnell die Jahre vergehen können, merkt man oft erst als Erwachsener. Beim sortieren von meinen alten Bildern, stieß ich zufällig auf eine Aufnahme aus dem Jahre 1998. Da fuhr die Eisenbahn noch direkt am Eselsstieg vorbei. Strecke Querfurt -Vitzenburg. Früher noch mit Zwischenstopp am Bahnhof Querfurt West, ehemals Bahnhof Thaldorf.

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Kurz danach war es dann nur noch ein Schienenbus, bis die Strecke eingestellt wurde. Wenn man diese Umgebung gewohnt ist, fällt einem manchmal gar nicht auf, wie sich die Umwelt so verändert hat. Die Bäumen waren noch sehr klein und der Bahndamm kaum begrünt.

Heute?

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Die Schiene ist schon noch da, manche Jahre fuhren immer mal Sonderzüge für Eisenbahnfreunde. Das waren dann sogar noch echte Dampflocks. Man munkelt, es soll dieses Jahr wieder eine Sonderfahrt geben. Vor gar nicht all zu langer Zeit wurden immerhin die Schienen vom Gestrüpp befreit.
Allerdings kann ich es mir derzeit nicht so recht vorstellen, da aufgrund baulicher Maßnahmen, der Eselsstieg nach oben geöffnet wurde, um den Verkehr umzuleiten.

Da fällt mir ein, irgendwo müssen noch Dias aus den 80 Jahren schlummern, als immer mal noch Dampflocks im Einsatz waren. Das waren noch Zeiten. Jeden Sonntag beim Spaziergang, unterhalb der Querfurter Fichten warteten wir auf den Zug. Bissel Winke Winke machen. *g* Man sah von Weitem oft nur die Rauchfahne, bis sich das schwarze Ungetüm mit Getöse näherte und bestimmt extra nur für uns Winker immer einmal mehr hupte! Oder war es doch ein Verwandter, der Lokführer war?
Man hörte es selbst im Haus, wenn sich ein Zug näherte. Man konnte fast die Uhr danach stellen. Wenn morgens der Zug vorbeifuhr, wusste man dann spätestens, man ist spät dran.

Als ich damals in der Kinderbibliothek das Buch Lokführer Axel erspähte, wollte ich dann auch Lokführer werden.
Ja ja, so war das eben damals. Da liegt es doch auf der Hand, dass später daraus Locutus, oder eben Loc und Locu und eine Location in Uru Ages Beyond Myst in Loc-Schuppen von mir getauft wurde.
Do you remember?

Was sind schon 10 Jahre?

 
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Urlaubserinnerungen

Notiert von Meister B. am 6. Mai 2009 unter Episoden

Im Rahmen der derzeit ständig vorgenudelten Vergangenheitsfilmen zur Aufarbeitung der DDR Geschichte und Vorbereitung der Bundestagswahl dienenden Dokus, erinnerte ich mich auf Umwegen wieder an alte Urlaubserlebnisse.
Eines davon war in der Mark Brandenburg und genau hier. Am Nordufer des Möllsensees wurde für damlige Verhältnisse Standard, 14 Tage Urlaub gemacht.

Zitat aus dem Film Sonnenallee: “Wir können überall hin, nach Thüringen …”

Aus heutiger Sicht muss ich schon irgendwie lachen, obwohl es nicht wirklich soo lustig war. Genau genommen konnte man nicht wirklich verreisen. Damals hatte nicht wie heute jede Familie ein Auto und in die osteuropäischen Länder konnte man auch nicht wie man wollte. Das war auch damals schon oft eine Frage des Geldes bzw. je nach Land, eine Auszeichnung für irgendwelche Verdienste.

Okay, ab jetzt darf wieder gelacht werden. Man stelle sich eine Familie mit 2 Kindern vor. Eingefercht in einem PKW Trabant ging die Autofahrt los. So ähnlich fing dann auch immer mein Schulaufsatz nach den 8 Wochen Sommerferien an. Das war Pflicht und wohl auch eine Art der Aushorchung in der Schule, was man denn alles in den Ferien machte. So schrieb man dann eben über den Urlaub.

Ein Ossi hatte auch die Angewohnheit, seinen halben Hausrat mitzunehmen. Ja, in eine Pappschachtel passte nicht nur viel rein, sondern auch oben drauf. Es wurde dann auch mal das Kinderbett von zu Hause mitgenommen. Es war normal und muss dann wohl wie ein Fahrzeug aus dem Orient ausgesehen haben. Heute würde man damit todsicher von einer Polizeikontrolle angehalten werden.
Die Autobahnen waren auch da, aber eben leerer als heute. Wobei ich mich sogar an einen Stau erinnern konnte. Aber auch nur, weil wieder irgendein Funktionär durch die Lande zog und die Strecken gesperrt wurden.

Man war aber nie alleine im Urlaub, sondern eben je nachdem wer den Urlaub buchte, mit Arbeitskollegen + Famile da. Oft hatten sie Kinder im gleichen Alter und es wurde nie langweilig.
Tja, was wurde da eigentlich so den ganzen Tag gemacht? Grundsätzlich holten die Männer früh mit dem Rad Brötchen. Das waren ca. 5 km quer durch den Wald. Wie auch heute noch üblich, hatte jeder Bungalow eine Terrasse, auf der dann später gefrühstückt wurde. Mitten im Wald, früh den Eichhörnchen oder dem Specht zuzuhören war schön. Meist ging es dann früh runter zum See. Oft auch mit dem Rad, denn die waren auch eine Art Standard in den Objekten und mussten nicht von zu Hause mitgenommen werden. Mal guckte man einem Angler zu, mal ging man schon früh Baden, oder man fuhr mit dem Rad einfach um den See. Alles ohne Aufpasser und spontan wie man Lust hatte. Heute wohl undenkbar, seine Kinder alleine rumfuhrwerken zu lassen.

Das Motorboot! Anfangs gab es noch eins dem Objekt zugeordneten. Natürlich durfte man es auch da schon nur mit einem Bootsführerschein fahren. Daddy hatte eins und man war stolz. Familienausflug zu viert, oder eben wenn dann Urlaubsbesuch dabei war, Oma und Opa mit drin. Das ging einmal in die Hose, da 6 Personen in einem Boot dann doch etwas schwer waren. Oma meckerte dass Opa zu schwer sei. Irgendeiner musste ja schuld sein. Wir blieben in einem Kanal stecken und kamen eher durch Zufall wieder frei.
Lenken dufte ich natürlich auch immer mal und war stolz die Hanne. Aber auch nur, wenn mal gerade kein Boot der Wasserschutzpolizei in Sicht war. Natürlich gab es auch in diesen Gebieten schon immer FKK Gebiete. Ein Fernglas hatte man eh immer mit und wer hat da wohl wohin geguckt?
Je nach Wetterlage oder Laune, konnte man auch bis fast nach Berlin, nach Erkner fahren. Musste dort allerdings an der Wassertankstelle auftanken.

Es musste natürlich auch immer Berlin besucht werden. Schon aus Gründen des Konsumrausches. Dort gabs ja für damalige Verhältnisse immer alles, was man sich sonst in der restlichen Republik, durch Beziehungen, ergaunern musste. Es war ja auch Vorzeigestadt des Landes und durfte ja immer nicht im schlechten Licht stehen. Und ja, es ging auch soweit, dass unliebsame Menschen zwangsumgesiedelt worden und u.a. auch dann in Querfurt lebten.
Aus ökologischen Gründen (bei den Preisen damals *hahaha*) führen wir bis Erkner und dann mit der S-Bahn rein ins Vergnügen. Je nach Tag hieß es eben Shopping, Museen und historische Orte besuchen, Spaß in Vergnügungsparks oder einfach nur mal Essen gehen und relaxen.
Ich erinnere mich da nur zu gern an den Plänterwald in Berlin. Das Grauen jeder Eltern. Bei uns hieß er “Plämperwald” und wurde mit “wüdder’s janze Jeld verplämpern” abgetan. Das Problem war aber nicht das Geld, denn die Preise waren eben auch dort sehr billig, sondern das nervige dutzendfache fahren mit der Gespensterbahn, Riesenrad und und und … wie Kinder eben so sind! Cool war vor allem das drehende Haus. Man saß drinnen, es bewegte sich aber nur die Hülle. Man hatte aber den Eindruck, dass man sich mitdreht. Eine Achterbahn, Autoscooter gab es auch und solche Tage waren leider immer zu schnell zu Ende.
Erwähenswert wäre auch noch die Fahrt dorthin. Umsteigen musste man am legendären Bahnhof “Rostkreuz”. Ich war dort nie wieder, aber man wusste nie welchen Bahnsteig man benutzen musste, wenn man umstieg. Es konnte schon passieren, dass man in der falschen S-Bahn saß. Ja und wie sollte es auch anders sein, traf man in der Metropole auch immer bekannte Gesichter. Ob mal alte Schulfreunde meiner Eltern, oder eben auch ganz zufällig wieder die Urlaubsbekanntschaften. Oder war es doch kein Zufall? Keine Ahnung!

Wenn man die Geschäfte “Unter den Linden” abklapperte, kam man nicht nur an den ganzen Botschaftsgebäuden vorbei, sondern ging auch immer zum “Brandenburger Tor”. Okay, was heißt zum? Man kam ja nie bis ran und wurde durch einen Zaun vor dem Pariser Platz daran gehindert. Man sah dort schon die Grenzer Streife laufen bzw. standen sie auch immer mal in Gruppen rum und rauchten. Auf der anderen Seite der Mauer sah man die gut besuchten “Huhu-Ossi-WinkeWinke-Tribühne”. Die winkten immer mal und ich, klein wie ich war, winkte zurück. Ein böser Blick und ein “Ey, wenn das einer sieht” bekam ich zuhören. Aber an jenem Tag war es heiß, die Grenzer schwitzten, hatten wohl keine Lust zum “arbeiten” und es waren noch mehr winkende Kinder dabei. Einige in der Gruppe zwinkerten mir zu und grinsten sich leicht einen ab. Wenige Jahre später waren die Grenzen offen und heute kann man sich sowas gar nicht mehr vorstellen.
Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt, als es “nur” noch Grenzkontrollen gab und uns ein Grenzer nicht ohne Visum zum Reichstag gucken lassen wollte. Aber als gelernter Ossi lernte man eben auch mit gespaltener Zunge zu reden und am Ende durfte man durch gutes Zureden unserer Klassenlehrerin rüber.
Überall sah man Mauerspechte und Künstler. Die Mauerspechte verkauften Mauerstücke zu völlig überteuerten Preisen und auch nur in DM. Völlig fies wie wir fanden, damit noch Geld zu verdienen. Aber wir waren auch nicht von gestern und ein Mitschüler meinte nur “Da, Polizei!”. Ein Verkäufer hatte Angst, weil er wohl keine Erlaubnis für seinen Stand hatte und packte hastig zusammen. Fix jeder noch ein Mauerstückchen gemopst. Ich meine es heute noch, in irgendeiner Schachtel. zu haben. Das wird nicht verkauft, schließlich starben da Menschen, Familien wurden getrennt und es ist Geschichte, mit der sorgsam, jenseits von Kommerz umgegangen werden sollte.
Auf späteren Klassenfahrten, welche dann auch oft in die alten Bundesländer führten, wurde uns teils eingehämmert, wir sollen z.B. “Oar, ne Schlange. Ist ja wie beim Bananan anstehen” nicht sagen und auch ordentliches hochdeutsch reden.
Natürlich hielt sich da nie einer daran. Warum denn auch? Ich meine wenn man aus diesem Land nun mal kam, nichts anderes kannte, kann man sowas nicht einfach per Knopfdruck abstellen.
Es war andersrum auch nicht anders. Klassenfahrt und Stadtrundfahrt in München. Die Stadtführerin wollte uns u.a. ständig erklären wer Hitler war, das Bayern ein Bundesland ist und und! Das wurde dann einer Lehrerin auch zu bunt und sie wies daraufhin, dass sie es mit Abiturienten zu tun habe und sich lieber erstmal über Ostdeutsche informieren müsse, bevor sie so herablassende Äußerungen macht. Als mit einem Abbruch der Fahrt gedroht wurde, verstand sie es wohl dann.
Krass war das Erlebnis in Garmisch-Partenkirchen, als wir anhand unseres Dialektes als Ossis identifiziert worden und mit der Begründung “Betteln verboten” aus einem Geschäft geworfen wurden.
Man fühlte sich damals schon manchmal sehr erniedrigt. Im Gegensatz zu manch anderen, habe ich es aber irgendwann hinterfragt und eben auch einsehen müssen, dass sich ein Volk über Jahre einfach nur auseinandergelebt hatte. Man sieht hier eben dann auch die Propaganda zweier Weltmächte. Ossis haben eben auch Hochhäuser, schlafen nicht in Zelten und mussten nie Hungern. Auf der anderen Seite sind nicht alle Wessis arrogant, schlafen nicht alle unter Brücken und können auch im Osten nicht alles machen wie sie wollen. Lokales Beispiel, heute noch sichtbar das Gewerbegebiet Ziegelroda. Unsummen an Steuergeldern verplämmpert. Bis heute ungenutzte Infrastruktur. Wer hat es geplant bzw. verwirklichen wollen? … Wer im Westen zu nichts taugt, taugt eben auch im Osten zu nichts. Wir sind ein Land und alle Brüder und Schwestern!

Von Urlaubserinnerungen bis heute … mich erinnert eine Äußerung von Wolfgang Thierse, welcher kürzlich im TV etwas zum Thema deutsche Teilung in den Köpfen äußerte. Sinngemäß meinte er, dass wenn man auf Ossis ständig rumhackt und ihren Unrechtsstaat ständig vorführt, entwickelt man einen Abwehrmechanismus und spaltet immer wieder.
Genauso sieht es auch aus, eine sehr kluge Äußerung. Ich konnte es mir nicht aussuchen, wo ich geboren wurde. Ich kann auch nicht sagen, ich wurde 1990 geboren, sondern 1978. Ich kann auch nicht sagen, dass ich in den 12 Jahren ständig schlecht lebte und eine unglückliche Kindheit hatte. Das wäre einfach eine Lebenslüge. Es geht nicht darum, dass man alten Zeiten nachtrauert und sie womöglich wieder haben will, sondern einfach darum, seine eigene Identität zu wahren. Es gibt auch heute keine “Rund um die Uhr Politik”, sondern auch das stinknormale Alltagsleben, mit allen Macken und Problemen!

Natürlich kann man heute überall hin in den Urlaub fahren, hat nur nicht mehr so das Geld dazu und muss mehr denn je sparen. Aber um welchen Preis sollte man sowas eintauschen, wenn man meinte es war mal glücklicher?

Mein Traum war schon vor über 20 Jahren einen Computer zu haben. Den konnte sich aber keiner leisten. Aus heutiger Sicht wohl mit der Anschaffung eines Mittelklassewagens zu vergleichen. Der Traum wurde kurz nach 1990 war und entwickelte sich schneller weiter als man ahnte.
Heute haben wir Internet und können alles schreiben, wenn es im Rahmen bleibt und nicht in Gewaltdrohungen endet. Schon mit diesem Blog würde ich 20 Jahre zurückgerechnet, schon längst in einem Gefängnis sitzen, oder jeden Beitrag wohl vorher zur Zensur überprüfen lassen.

Ich frage mich immer wieder, was sich manche Menschen aufregen. Sie wissen gar nicht mehr wie gut es einen geht. Auch heute noch sitzen Menschen in Gefängnissen, weil sie progressiv denken und vor allem ihre Meinung nicht frei äußern können. Die elementarste Eigenschaft um überhaupt es verändern zu können heißt eben Freiheit!

Wir sind nach 20 Jahren gewiss schon viel weiter, aber haben die Trennung in den Köpfen noch lange nicht überwunden. Diese existiert nur durch Schönfärberei im TV. Eine Freundin aus den alten Bundesländern meinte kürzlich, dass wir noch 2-3 Generation brauchen werden. Ich glaube sie hat Recht. Auch bei noch so guten Freundschaften, gibt es auch heute noch kleinere Konfliktpunkte. Aber diese werden immer mehr mit Humor abgetan. Aber so ist sie und ich und nicht alle.

Die Hoffnung stirbt zuletzt für einen Augenblick Freiheit

Joar …

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