LOL ist nicht gleich LOL

Ich kann über etwas lachen, jemanden auslachen, ich kann ironisch lachen und das Gegenteil meinen. Zu unterscheiden, wie etwas gemeint ist, setzt immer eine gewisse Menschenkenntnis, Wissensstand und einen Erfahrungsschatz voraus.

Speziell geht es mir um den Aspekt „social networks“ und deren Auswirkungen auf das reale Leben. Und nein, es stellt weder eine wissenschaftliche Arbeit dar, noch ist es eine fachlich dokumentierte Ausarbeitung. Sondern lediglich eine Beobachtung aus der Sicht eines Nutzers!

Meiner Meinung nach ist das Web 2.0 am ausleben und schleicht sich in eine neue Generation. Es schwappt die letzte Welle, der bisherigen Non-Internet User nochmal kurz über und es wird sich ausleben.

Web 1.0 = Ich bin drin und kann mir Webseiten ansehen
Web 2.0 = Ich bin dank Flatrates dauerhaft drin, baue soziale Kontakte über das Internet auf

Ich bleibe beim Web 2.0 … Es hat durchaus seine Vorteile. Man kann scheinbar grenzenlos kommunizieren. Ich habe so manche alte Freunde wiedergefunden, neue Freundschaften aufgebaut, Beziehungen haben sich dadurch entwickelt und sogar meine erste Liebe tauchte wieder auf. Ich habe die Möglichkeit mich besser als mit den herkömmlichen Telekommunikationsmitteln, sprich Telefon, zeitnah auszutauschen. Das ist meiner Meinung nach schon ein immenser Vorteil und auch eine Kostenersparnis.

Aber, es hat wiederum teils große Schattenseiten. Meine Meinung wird sicherlich einigen etwas utopisch oder haltlos erscheinen, aber ich sehe einige Dinge ernsthaft bis bedenklich, ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen.

Stichwort Onlinebekanntschaften, Kontaktbörsen und soziale Netzwerke. Diese Grenze kann man mittlerweile nicht mehr ziehen. Ob Onlinespiele, Interessengruppen im Netz … es bilden sich mitunter teils subtile Konstellationen an Bekanntschaften oder sogar Beziehungen. Unter dem Deckmantel Communitygeist, wird ein eher familiäres Umfeld erschaffen, was es im Alltag so nicht geben würde und auch nicht kann. Es kommt auch nicht darauf an, wie oft man im Netz ist, sondern wo. Und genau da beginnt es. Wir sind alle am gleichen Ort. Es interessiert niemanden mehr, welchen Bildungsstand jemand hat, wie viel Erfahrung jemand besitzt oder welche realen Leistungen jemand vollbracht hat. Ob nun ein Doktor im Netz ist, oder nur eine einfache Hilfskraft, es interessiert niemanden. Es mag auch schöne Seiten haben, wenn man unkomplizierter miteinander umgeht. Aber es verschwinden sehr viele Werte, auf deren eine Gesellschaft am Ende basiert. An erster Stelle verliert man den Respekt, da man sich ja wie alle anderen eben frei bewegen kann. Alles ist möglich, alles kann gelogen sein.

Woher kommt das? Ich glaube dass dieses Dogma „Im Internet kann man sich verstellen“ zu falschen Realitäten geführt hat. Man kennt es eigentlich schon lange aus den Medien. Man sieht einen beliebigen Künstler im Fernsehen und glaubt irgendwann an dieses vorgegebene Bild. Manchmal will es der Zufall und man kann bestimmte Stars Live erleben. Nein, nicht auf der Bühne, sondern im Alltag. Oft erkennt man sie dann erst auf den zweiten Blick oder durch ansprechen. Viele sehen gar nicht so toll aus, viele sind gar nicht so nett, andere sind gar nicht so schlimm wie immer gezeigt.

Genau dieser Effekt ist im Netz, eigentlich erst so richtig seit Web 2.0, in vollem Gange. Ich kann nur aus meinen Erfahrungen sprechen, aber mittlerweile kann ich schon aus wenigen Sätzen und sogar von Profilbeschreibungen ablesen, welchen Charakter ein Mensch hat.

Es ist schwierig diese in Gruppen einzuteilen, da man einige Eigenschaften auch bei anderen findet und es fliesend übergehen kann. Im Groben kann man aber sagen, dass der Bildungsstand eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Jugendliche und darunter berücksichtige ich nicht, da dies normale Eigenschaften in der menschlichen Entwicklung sind.

Wenn man mit jemand auf einer „social networks“ Seite in Kontakt tritt, ist natürlich erstmal das Profilbild das Aushängeschild. Je nach persönlichem Geschmack, entscheidet er oder sie, ob man in Kontakt tritt. Soweit noch ganz normal. Um am Ende überhaupt einen Erfolg zu erzielen, ist die erste Mail immer der entscheidende Punkt. Fällt das Feedback auch bei noch sowenig Text mager aus, verläuft es früher oder später im Sand. Spätestens nach ca. 5 – 10 Mails entscheidet es sich endgültig, da an diesem Punkt spätestens der gemeinsame Gesprächsstoff ausgeht. Denkt man, ist aber nicht immer so. Es spielt auch eine Rolle, inwiefern Menschen noch in der Lage sind, ihre eigene Meinung zu sagen und es dezent im Sand verlaufen lassen.
Fühlt man sich ab dem oben genannten Punkt eher unwohl und merkt, es kommt kein echter Kontakt zustande und die Inhalte sind eher uninteressant, sollte man es nun endgültig abflauen lassen. Ab diesem Punkt kann es mehr oder minder gefährlich werden.
Wenn es schon die erste Zeit gut klappte, kann es durchaus dann auch später funktionieren, aber dazu später.

Fühlt man sich aber unwohl nach dieser Grenze, kann es verschiedene Gründe haben. Das Geschlecht spielt dabei keine große Rolle mehr.

1) Man wird als Ersatz genommen, um einer verlorenen Liebe zu imponieren. Sich zu beweisen und seinen Selbstschutzmechanismus abzustellen. Und anschließend einfach weg geschoben, wenn man emotional wieder gesund ist.

2) Man wird mittels Light Version von Punkt 1, als Gesprächspartner für das Abladen der Probleme benutzt. Unter normalen Umständen durchaus empfehlenswert, wenn man Stress bewältigen muss. Freunde und Bekannte sind dabei oft gute Helfer, auch wenn sie nur zuhören. Der Unterschied hierbei ist aber, der Frust wird als Ersatz an dir ausgelassen und am Ende ist man auch passé.

3) Man befreundet sich und wird in elitäre Kreise aufgenommen, um später als Druckmittel gegen andere eingesetzt zu werden. Man steht zwischen den Fronten, ist der Spielball und wird in Dinge rein gezogen, welche einem nichts angehen.

4) Misstrauen! Das sind meiner Meinung nach die harten Fälle, im Alltag eigentlich Sozialfall. Man zeigt jedem offensichtlich, wie oft man in der Vergangenheit verletzt wurde und sieht hinter jedem Satz eine Verschwörung. Man kann sagen was man will, man ist ja eh nur so, wie der verhasste Ex Partner. Das Paradoxe daran, man nimmt sich knallhart dann doch wieder jemanden, setzt ihn dann vor die Tür und führt dieses Prinzip schier unendlich fort. Weiterhin scheint es hier keine Selbstachtung mehr zu geben. Alter, Aussehen, Stand ist oftmals völlig egal. Hauptsache es findet sich jemand, der einen dann aus finanziellen Nöten bringt. Das liegt nicht an Faulheit, sondern der fehlenden Fähigkeit, sich selbständig weiter zu entwickeln. Mehr dazu später!

Nun zu denjenigen Menschen, wo es zu Beginn mi der Kommunikation klappt. Der Idealfall ist natürlich, wenn schon nach der ersten Mail, eine euphorische Stimmung aufkommt. Daraus werden todsicher Freundschaften und auch Beziehungen.
Aber auch hier muss man es noch etwas differenzieren. Es gibt auch Leichtgläubige. Ich meine das mehr im Sinne von oberflächlich zuhören. Genau diesen Effekt kenne ich mehr als gut. Du hilfst einer Person und am Ende wirst du in Schubladen gesteckt, welche dir nicht gehören. Ich meine es ist schon ein Unterschied ob man sich mit seinem PC auskennt, oder halt professionell damit zu tun hat. Ich kenne meinen PC wie meine linke Westentasche und je nach Problem noch andere Verwandte, aber bin nie ein Computerexperte gewesen, sondern beschäftige mich mit Webdesign. Das sind zwei Paar Schuhe! Jeder flinke PC Internetnutzer, kann sich Referenzmaterial aus dem Intern holen und damit angeben. Und gerade dort, werden viele Informationen nicht mehr geprüft, da man blind vertraut. Oder man hört eben nie zu und meckert am Ende, dass man ja keine Ahnung hat, weil man ja nun selber gelernt hat, Suchmaschinen richtig zu benutzen.
Das betrifft am Ende auch andere Bereiche. Ich meine es gibt nicht wenige, die real eigentlich nicht wirklich eine Position darstellen, rain äußerlich wohl nicht dazu geschaffen sind, jemals das passende Gegenstück zu finden, aber gerade im Netz den Experten mimen. Und eben angeben, um ihre Defizite zu kompensieren. Jeder klar denkende Mensch weiß, dass weder die Größe eines Autos, eines Körperteils, des PCs oder der Geldmenge, das Tor zum Glück sind. Diese Scheinwelt hält nur immer solange an, solange man die Mittel dazu hat. Ich meine es ist ja keine Seltenheit mehr. Mann plötzlich arbeitslos, Frau weg, Schulden, aus der Traum! Hat halt dann nichts mit Liebe zu tun.

Aber genau diese Wertvorstellungen verschwimmen immer mehr. Das klassische Auseinanderleben gibt es so eigentlich nicht mehr. Oft sind es optische Reize, überquollene Werbung und einfach die Geschwindigkeit. Im Schnitt rechnet man immer 1-2 Jahre, bis man über eine Beziehung wirklich restlos darüber hinweg ist. Diese Zeit braucht der Körper einfach, da man in der Trennungsphase Schmerz, Wut, Trauer, Hass abarbeiten muss, was auch organische Hintergründe, wie Hormone und deren Wirkungen, hat. Man ist im Unterbewusstsein stärker als sonst mit sich selber beschäftigt. Man kann nicht abschalten und rational denken. Aber gerade durch dieses schnelle Leben und aufbauen von Scheinwelten, überbrücken viele diese Zeit einfach bzw. blenden sie gänzlich aus. Das führt dazu, dass man unter starken Gefühlsschwankungen leidet, nie weiß was man will und dieses Unbehagen auf andere überträgt, was dann wiederum meistens zur Trennung führt und wieder von vorn beginnt. Am Ende nagt es am Selbstwertgefühl, wird verbittert und fällt in ein Loch. Aus dem viele nicht mehr rauskommen, weil sie verblendet sind und irgendwann annehmen, sie können da nicht mehr raus.
es ist völlig normal und sogar medizinisch erklärbar, dass man nach einer Trennung bestimmte Dinge vermisst und wie bei einer Sucht befriedigen will. Und sei es nur eine Umarmung, oder eben stinknormales Kuscheln. Man war es eben gewohnt und nun fehlt es. Und genau da wird der erste Fehler gemacht. Man ist in Trauer und meint was nun kommt, ist richtig. Es fühlt sich sicherlich auch so an, aber es ist nicht wirklich das, was man will. Man macht Dinge, die man sonst nie hätte gemacht.

Hier setzt die Bildung wieder ein. Ich kenne keine einzige Beziehung die länger als 10 jahe hielt, wo die Defizite auf geistiger Ebene zu groß waren. Die einzigste Schranke sind dann meistens Ehen mit Kindern und finanziellen Abhängigkeiten, was es ggf. verhindert. Es mag sein dass man vielleicht versucht sich selber zu verbessern, aber das Problem ist die Geschwindigkeit dessen. Es ist wie jeden Morgen den gleichen Brotaufstrich essen. Irgendwann schmeckt es nicht mehr. Genauso ist es bei: Irgendwann hat man schlichtweg keine Lust mehr, den Partner auf geistiger Eben ständig hinterher zu ziehen. Egal auf welcher Ebene, es entwickelt sich immer etwas weiter. Natürlich kommt es auch auf die Interessengruppen an. Es ist noch ein Unterschied, mit welchen Themen man sich beschäftigt. Wer mehr am PC sitzt, wird sich zwangsläufig besser als andere damit auskennen. Aber auch da bleibt die Zeit nicht stehen und entwickelt sich rasant weiter.
Und genau das ist eben bei social networks Seiten mittlerweile auch der Fall. Für mich sind viele Seiten ein uralter Hut und nicht wirklich neu. Manche kommen dazu und wollen einen nun erzählen, wie toll es doch ist und wie es funktioniert, während man sich selber schon sehr lange damit auskennt. Da sind wieder diese fliesenden Grenzen und auch ein kleiner Einblick, in die Fähigkeit sich selbst verbessern zu können.
Wenn ich diese Dinge mal rein hypothetisch als Grundlage für eine Beziehung nehmen würde, würde ich irgendwann an einem Wutanfall platzen, weil die Unterschiede zu groß sind.

Dieser Einheitsbrei an Gesellschaft und deren Auswirkungen wird mit Sicherheit auch irgendwann Kosten im Gesundheitswesen explodieren lassen. Ob nun nur rein psychologischer Natur aufgrund von Mißerlebnissen, oder eben Folgeschäden von unsachgemäßen Gebrauch, wozu neben mangelndem Sport, auch Fehlernährung meiner Meinung nach auch die Sensorische Deprivation gehören kann, werden die Folgen bisher total unterschätzt. Lebewesen passen sich an um zu überleben, aber damit führt es zu einer großen Abhängigkeit und Manipulierbarkeit.

Ansonsten ist ein altes Rezept immer noch am wirksamsten. Alles was ein Mensch von dir denkt, würde er selber so tun. Niemand kann in andere Köpfe schauen und sie nie vollständig verstehen können. Aber man erzählt nur immer das, was mit dem eigenen Denkvermögen vereinbar ist. Von daher ist es sehr wichtig, man redet sehr ausführlich miteinander und das von Anfang an. Hass ensteht oftmals nur dadurch, wenn man über einen langen Zeitraum eine Lügenwelt aufbaut und diese dann enthüllt wird.
Es würde viele Probleme nicht geben, wenn man dies berücksichtigen würde. Dann spielt auch die Phantasie keine Rolle mehr!

In diesem Sinne eine geruhsame, ehrliche und redsame Woche …

Jenau!

von

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