Steinbach-Hallenberg um 1974

Jeder Betrieb, jede Institution hatte früher ein Ferienobjekt. So auch Querfurts Bürger im Kurort Steinbach-Hallenberg, zwischen Oberhof und Suhl gelegen. Ein Bungalow kommt selten allein und so war dort u.a. das Kinderkrankenhaus, die PGH Maler, die Sparkasse, die
Bauhütte (später VE Kreisbaubetrieb), der damalige VEB Getreidewirtschaft und Kraftfuttermischwerk und die LPG hatten Objekte.
Die vom Kinderkankenhaus, PGH Maler, Bauhütte lagen direkt nebeneinander. So traf man also immer bekannte Gesichter auch im Urlaub.
Klar, heute wirkt das alles minimalistisch. Aber es war immer sehr schön dort. So oben auf dem Hang, mit Fernblick.

Man konnte Bestellungen für Frischmilch und Brötchen aufgeben. Jeden Morgen fuhr ein Herr mit weißer Kittelschürze und Fahrrad das dann aus. Wurde an die Türklinke gehängt.
Versorgen musste man sich selbst. Aber es gab ja überall Konsum und HO. Die Preise fürs Essen gehen waren auch erschwinglich. Manchmal musste man allerdings dann auch mal anstehen, weil keine Plätze frei waren und wie das damals oft hieß: „Keine Leute, keine Leute!“ Eine Art Fachkräftemangel.

Familien waren auch noch kinderreicher, so dass man immer Spielgefährten fand. Und wenn man nicht rumlungerte, gings mit dem Trabi die Umgebung erkunden. Tagesausflüge nach Suhl, Oberhof, Trusetal, Märchenhöhle Walldorf und und und … Oder eben wandern. Einmal sogar bis nach Oberhof. Das war im Herbst 1989, als die Wende begann. Zurück mit dem Ikarus Stinkebus und hoch zum Bungalow laufen.

1974, ich war noch nicht dabei. Später schon. Nachfolgend zwei Dias vom Bungalow des Kinderkrankenhauses Querfurt. Später waren die Tannenbäume meterhoch und tarnten die Objekte etwas. Oder wie man hierzulande sagt. Man saß nicht mehr wie auf dem Präsentierteller.

Klar, statistisch gesehen schlief jeder zweite, oder vielleicht auch fünfte Querfurter mal im selben Bett. Man kannte es eben damals nicht anders. Reisen in den Ostblock waren möglich, aber für Familien mit Kindern sehr teuer. Dann eben nach Thüringen, Kurtaxe noch entrichten und zwei Wochen Urlaub verbringen.

Um die Jahrtausendwende wurden die letzten Objekte privatisiert. Was bleibt sind Erinnerungen an eine wunderschöne Zeit, welche so nicht wiederkommt. Es war schlicht, aber mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft als heute.

Bis dahin, zwei Zeitzeugnisse …

Steinbach Hallenberg Bungalow Kinderkrankenhaus Querfurt
Steinbach Hallenberg Bungalow Kinderkrankenhaus Querfurt

(Bild: Diascans auf ORWO Color, privat, aus Datenschutzgründen Personen verpixelt)

Ach ja, nicht dass ich son oller spießiger Heimatfreak bin. Aber der Herbert gehörte seinerzeit einfach zu diesen Urlauben dazu. Entweder nudelte es in zahlreichen urgemütlichen Gasthäusern, oder der (Frisör)Meister höchstpersönlich spielte für die Urlauber. Live natürlich.

In diesem Sinne … Achtung Ohrwurmalarm … „Wenn das der alte Schmücke Joel wüsst …“

Der alte Schmückewirt

Internationale Friedensfahrt Alt & Neu

Das kennt doch noch jeder oder? Volksfeststimmung am Straßenrand mit Wimpelketten, Bockwurst, Faßbrause und Bier. Man erwartete sehnsüchtig die Radrennfahrer und fieberte dann mit. UWE, UWE … oder OLAF, OLAF tönte es im Chor.

Ich selbst war später im örtlichem Fanfarenzug und hatte dann entsprechend einen Auftritt. Wenn die in der Nähe waren, kam ein händisches Signal von einem „Streckenposten“ und dann musizierten wir.

Nicht immer fuhren die durch Querfurt. Aber wenn, dann meistens an der „Phillipp Schule“ vorbei, die 90° Kurve nehmend, wo sich glaube ich immer ein paar Sportler bretterten. Meist wurde damals besonders der stürzende Klassenfeind hervorgehoben. Damals war da noch dieses olle Schlackepflaster. Bei Regenwetter wars besonders glatt. Wurde dann mal später extra für dieses Event asphaltiert. Denke ich jedenfalls mal.

Hier eine Aufnahme aus dem Jahre 1988 von der 1100-Jahrfeier für Querfurt. War zwar gerade keine Friedensfahrt, aber dieses Bild bot sich damals den Teilnehmern und Zuschauern. Im Vergleich zu heute: KRASS!

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(Merseburger Straße 1988 – Bild: privat)

Ja, auch ich wollte damals mal Friedensfahrer werden. Lange her.

Und wenn sie nicht gestorben wären, dann lebten sie noch heute.
Moment mal, da gibts doch einen aktuellen Artikel bei Wikipedia!?

Link: Friedensfahrt 2014

Zitat Wikipedia … Das bisher typische Friedensfahrt-Logo mit der Taube soll durch ein neues ersetzt werden. Laut Regec, der inzwischen im Senat des tschechischen Parlaments sitzt und Stadtrat von Cerná Hora ist, soll die neue Friedensfahrt nicht mehr an die Zeit der sozialistischen Propaganda erinnern …

Find ich prima! Schließlich gehts da ja auch um Sport und zum Glück heute nicht mehr um „Klassenfeinde“. Sowas gehört mehr in den Bereich Onlinespiele und nicht mehr in die Realität. So als freundschaftliche Bruderveranstaltung zur Tour de France & Co. würde ich mich auch wieder an den Straßenrand stellen und die heutigen Talente anfeuern. Wir brauchen wieder mehr Erfolgserlebnisse.
Leider führt es „derzeit“ noch nicht wieder durch Deutschland. Was nicht ist, kann ja noch werden oder? Wer keine Visionen hat, ist schon gestorben …

Fazit: Sport frei für ein freies Europa!

Meine erste Banane

Heute lacht man darüber. Damals war es eine nervige Angelegenheit. Viele Querfurter kauften hier ihre Südfrüchte. Manchmal gabs was, aber nicht für alle, wenn man nicht die richtigen Beziehungen hatte.
Und wenn es dann mal was gab, stand man Schlange.

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(Bildquelle: privat)

Der Obst – und Gemüseladen in der Querfurter Klosterstraße, mit Deko im Rahmen der 1100-Jahrfeier 1988.