Wie wird man Schriftsteller?

Diesem Faszinosum begegnete ich in den letzten Jahren immer wieder. Es scheint modern zu sein, dass jeder sich mitteilen will.
Das klingt für den Moment ganz nett, aber sind es denn wirklich Bücher, die einer lesen will?

Grundsätzlich funktioniert das heute so. Man sucht sich eine Horde dumme Menschen, erzählt denen das Gegenteil der öffentlichen Wahrnehmung, ersetzt Fakten mit Spannung und Theatralik und lässt keine Kritik mehr zu. Manche gehen einen Schritt weiter, schmücken alles mit Fremdwörtern aus, welche sie selber nicht verstehen, aber cool aussehen. Im Mitteilungswahn erfährt man dann in jedem Abschnitt, wo man nun gerade hingeht. Es liest sich eigentlich wie ein Routenplaner. Bei km 3 biege ich links ab, treffe Kumpel B … wenn man das sich mal bildlich vorstellt, darf man sich nicht wundern, wenn man an der nächsten Ampelkreuzung in eine Baugrube fällt, oder im Kreis geht.

Aber man ist ja Schriftsteller, weil man es werden will und alle Nachmenschen vor seinem Schicksal warnen muss. Das bedeutet im Klartext, wenn Mutti im Dezember 1985 exakt 1 g Salz zuviel in die Suppe schüttete, muss man im Juli 2009, wenn man das Buch gerade im örtlichen Schwimmbad liest, aufpassen, dass es nicht wieder passiert. Das ist so ungemein gefährlich, dass man andere davor warnen muss. Logisch!

Schauen wir mal rüber zu der komödiantischen Seite. Man hat ja mittlerweile überall Internet. Hin und wieder bekommt man Witze, lustige Bildchen per Copy & Paste rüber geklitscht. Je nach Stand im Web, ist ein Witz von Person A nicht genauso lustig, als wenn ihn Person B kopiert und postet. Dann kann es durchaus mal passieren, dass man 2 Tage später den Witz von der Person zurück bekommt, an den man ihn eigentlich schickte.
Dazu noch ein nettes Profilbild. Ich liebe diese „warmes Glühen Filter“, die einen 20 Jahre jünger machen. Man könnte meinen, die Akne sei ausgestorben und alle knabbern am Hungertuch, weil sie so schlank aussehen. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich das letzte mal einen Damenbart gesehen habe. Das waren noch Zeiten …

Wenn da nicht am Ende das Urheberrecht eine Rolle spielen würde, könnte man mit der Dummheit der anderen schon längst Millionen verdienen. Es fragt doch keiner mehr nach, wo mal etwas herstammte.

Kommt dann aber ein netter junger Mann vom Eselsstieg und dichtet frei Schnauze im 5 min Takt auf Profilen, in Mails, in Messengern … hat man das natürlich ja schon mal irgendwo gelesen. Das kann ja auch nicht sein, dass man sowas kann, wenn man nicht im Fernsehen zu sehen ist. Und selbst wenn, die Harry Potter Frau war irgendwann auch gaaaanz reich.

Warum sind dann die Herren Dichter und Philosophen der Menschheit fast alle immer nahezu pleite gewesen? Wurden die nicht mehr oder minder erst berühmt, als sie schon tot waren? Ja und vor allem was machte sie berühmt?
Nehmen wir nur mal den Herrn Goethe. Man könnte bei allen seinen Werken, die altmodischen Naturalien gegen Moderne auswechseln, den Charakteren andere Namen geben … die Handlung ist genauso gut auf heute übertragbar, wie auf die Zeit davor. Es ist einfach zeitlos und eine Art Leitfaden für das Leben.

Hier liegt der Hund begraben. Viele denken einfach, sie stehen im Mittelpunkt des Geschehens und ernten dafür ständig Lob und Dank. Ein guter Schriftsteller schreibt immer für alle und immer auch für nachfolgende Generationen. Der Sinn eines Autors besteht nur darin, am Ende seines Lebens eine Spur zu hinterlassen.
„Nur wer vergessen ist, ist wirklich tot“
Es ist doch eine Menge wert, wenn irgendwann mal ein einziger Mensch über deine Person stolpert und zum Nachdenken angeregt wird. Es ist egal ob man Vorbild wird, oder eben gerade das Gegenteil, damit man nicht einen speziellen Weg beschreitet.

Für mich ist das Internet so wie wir es jetzt haben, eine neue Art von Büchern. Vielleicht mit der Übersetzung der Bibel von Martin Luther vergleichbar. Bisher glaubte man so vieles was man in den Medien vorserviert bekam. Heute kann man selber aktiv werden und sich einbringen. Früher staunte man noch über Special Effects im Kino, heute kann man das mit preiswerten Programmen am heimischen PC selber erstellen.
Man kann Menschen eben einfach nicht mehr für dumm verkaufen und für andere Zwecke missbrauchen.

Es ist aber genauso schneller angreifbarer, als jemals zuvor. Eine Seite ist schnell gelöscht und wichtige Zeitdokumente sind verloren. Alles per Mouseclick! Das führt nicht gerade wenig dazu, dass das Rad ständig neu erfunden wird und man sich im Kreise dreht.

Wer stark ist und eine Elefantenhaut hat, wird sich immer durchsetzen. Das sind einfache Naturgesetze, welcher aber erlernbar sind. Wie heutzutage Mode ist im Netz, werden schnell mal unliebsame Menschen gemobbt und aus dem Netz gefegt. Denkt man, denn durch das Mittel der Komödie und des Nicknames, kann man immer weiter machen und sollte es auch tun.
Wenn man einmal entschlossen genug ist ein Buch zu schreiben, dann schreibt man es einfach zu Ende. Ansonsten geht die Ernsthaftigkeit, der Sinn und die Absicht verloren.

Das im Laufe der Geschichte oft ein Buch editiert wird, ist normal. Man möchte eben unliebsame Dinge aus dem Leben ausblenden und neu benutzen.

Bin ich ein Schriftsteller? Diese Frage gefällt mir eigentlich gar nicht. Ich interessiere mich schon seit früher Kindheit für Literatur, dichte immer mal wieder gern, versuche Zeitgeschehen festzuhalten, aber könnte das am Ende nicht von mir sagen und kann das wohl nur andere sagen lassen. Später, irgendwann, wenn die Dinge ihren eigenen Lauf nehmen!
Was mir hier am Herzen liegt ist Zeitgeschehen festzuhalten. 5 Jahre ist nicht viel, aber am Ende doch schon eine Menge Material. Egal was man jemals von sich gab, es ist ein Stück Geschichte. Es ist normal, dass man später manches nicht mehr nachvollziehen kann, was man einstmals schrieb. Manches versteht man später selbst erstmal richtig. In erster Linie schreibe ich für mich selbst. Es ist aber etwas wert, wenn man sich Menschen hier und da angesprochen fühlen und sich sagen: „Man, ich glaube ich hätte in der Situation auch so reagiert!“
Manchmal wiederholt man sich in Beiträgen und meint, man dreht sich im Kreis. Manchmal fragt man sich, wie konnte ich so einen Schrott schreiben. Manchmal fragt man sich, wieso sind jetzt nicht solche tollen Zeiten wie damals und manchmal schwebt man im 7. Himmel. Man steht vor einem Spiegel und wird immer wieder daran erinnert.

Ich glaube schon, dass Weblogs eine Art Kunstform der Neuzeit sind, welche lange nachwirken wird. Messen kann man es aus meiner Sicht nur an der Länge des Betreibens. Das wäre dann wiederum mit herkömmlicher Kunst vereinbar. Viele wollen nur mal testen, ob man ein Instrument spielen kann und bleiben maximal bei der Hausmusik oder geben ganz auf.

Das Problem unserer Tage sind keine fingierten Krisen, sondern unsere festgefahrene Denkweise. Man bedenke nur, dass Musik früher nahezu ein Handwerk war und jeder singen oder ein Instrument spielen konnte. Das war sowas von normal und heute wird es immer gleich mit Kommerz in Verbindung gebracht.
Man schaue nur zu YouTube, wie viele echte Künstler es dort gibt. Man kann sagen, von 5 bis 100 ist alles dabei. Ich habe schon 80 jährige Männer vor einer Cam musizieren gesehen, welche nie auf einer Bühne standen. Sie verstehen aber ihr Handwerk, wovor ich großen Respekt habe.
Gleiches gilt für das Schreiben. Jeder der auch nur in irgendeiner Online-Community aktiv war, News und Infos selber sucht, arbeitet oftmals qualitativer als Medienanstalten, da man selber aktiv vor Ort ist und weiß wovon man redet.

Bei aller Euphorie die die neue Zeit mitbringt, ist es aber auch ein eher trauriger Anblick zu sehen, wie die älteren Generationen damit umgehen. Ich merke es immer wieder, wenn ich mit älteren Menschen ins Gespräch komme. Es kann sehr bedrückend sein, wenn man ab einem Punkt im Leben merkt, man lief das ganze Leben den falschen Göttern nach. Das hat nichts mit politischer Gesinnung oder Lebenseinstellung zu tun, aber wenn man das ganze Leben vorgefertigten Denkmustern folgte, am Ende erkennen muss, man hätte vieles anders machen können, wenn man es eher gewusst hätte, so erdrückt es einen, weil man die Zeit nicht mehr hat um was zu bewegen.

Wir alle sind irgendwo zu den Dingen geworden, die sonst nur auserwählten Leuten vorbehalten waren. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass man der Wegbereiter für diese Zeit war und wir nun unsere neue Zeit nutzen.

Ich bin noch kein alter Mann. Aber wenn ich in meinem Buch hier lese, weiß ich wo ich mal war und wo ich nun bin. Brannte ich damals für Webdesign, so ist es heute schon fast Routine.
Irgendwann ist es nicht mehr wichtig zu brennen, sondern den Weg für andere vorzubereiten und zu teilen.

Denen die mal nach mir kommen kann ich nur sagen: Ich tat dies alles, um zu zeigen wie man leben, wie man nicht leben sollte, damit man anders lebt und seinen eigenen Weg geht. In 100 Jahren wird niemand mehr einen Blog haben, aber wissen, dass diese Erscheinung dafür verantwortlich war, dass man nun so denkt.

Ich fühle mich für einen gewissen Teil verantwortlich, dass wir nun zeigen können, was echte Freiheit wirklich bedeuten kann. Viele Menschen mussten dafür in er Vergangenheit ihr Leben lassen und es leider auch heute noch.

Wenn jeder einzelne Mensch, der die Möglichkeit hat dies auf seine Art so zu tun wie hier, „stellt“ durch „Schrift“ die „Weichen“ für eine bessere Zukunft.

Alleine ist man ein Komet der vorbeizieht. Zusammen ist man der Sternenhimmel, der jeden Abend wieder in voller Pracht erscheint.

Auf in die Ferne, die noch nie ein Mensch beschrieben hat und du wirst sehen, was du tun musst.

Joar …

nach

You Are You

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