Was sind schon 10 Jahre?

Wie schnell die Jahre vergehen können, merkt man oft erst als Erwachsener. Beim sortieren von meinen alten Bildern, stieß ich zufällig auf eine Aufnahme aus dem Jahre 1998. Da fuhr die Eisenbahn noch direkt am Eselsstieg vorbei. Strecke Querfurt -Vitzenburg. Früher noch mit Zwischenstopp am Bahnhof Querfurt West, ehemals Bahnhof Thaldorf.

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Kurz danach war es dann nur noch ein Schienenbus, bis die Strecke eingestellt wurde. Wenn man diese Umgebung gewohnt ist, fällt einem manchmal gar nicht auf, wie sich die Umwelt so verändert hat. Die Bäumen waren noch sehr klein und der Bahndamm kaum begrünt.

Heute?

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Die Schiene ist schon noch da, manche Jahre fuhren immer mal Sonderzüge für Eisenbahnfreunde. Das waren dann sogar noch echte Dampflocks. Man munkelt, es soll dieses Jahr wieder eine Sonderfahrt geben. Vor gar nicht all zu langer Zeit wurden immerhin die Schienen vom Gestrüpp befreit.
Allerdings kann ich es mir derzeit nicht so recht vorstellen, da aufgrund baulicher Maßnahmen, der Eselsstieg nach oben geöffnet wurde, um den Verkehr umzuleiten.

Da fällt mir ein, irgendwo müssen noch Dias aus den 80 Jahren schlummern, als immer mal noch Dampflocks im Einsatz waren. Das waren noch Zeiten. Jeden Sonntag beim Spaziergang, unterhalb der Querfurter Fichten warteten wir auf den Zug. Bissel Winke Winke machen. *g* Man sah von Weitem oft nur die Rauchfahne, bis sich das schwarze Ungetüm mit Getöse näherte und bestimmt extra nur für uns Winker immer einmal mehr hupte! Oder war es doch ein Verwandter, der Lokführer war?
Man hörte es selbst im Haus, wenn sich ein Zug näherte. Man konnte fast die Uhr danach stellen. Wenn morgens der Zug vorbeifuhr, wusste man dann spätestens, man ist spät dran.

Als ich damals in der Kinderbibliothek das Buch Lokführer Axel erspähte, wollte ich dann auch Lokführer werden.
Ja ja, so war das eben damals. Da liegt es doch auf der Hand, dass später daraus Locutus, oder eben Loc und Locu und eine Location in Uru Ages Beyond Myst in Loc-Schuppen von mir getauft wurde.
Do you remember?

Was sind schon 10 Jahre?

Urlaubserinnerungen

Im Rahmen der derzeit ständig vorgenudelten Vergangenheitsfilmen zur Aufarbeitung der DDR Geschichte und Vorbereitung der Bundestagswahl dienenden Dokus, erinnerte ich mich auf Umwegen wieder an alte Urlaubserlebnisse.
Eines davon war in der Mark Brandenburg und genau hier. Am Nordufer des Möllsensees wurde für damlige Verhältnisse Standard, 14 Tage Urlaub gemacht.

Zitat aus dem Film Sonnenallee: „Wir können überall hin, nach Thüringen …“

Aus heutiger Sicht muss ich schon irgendwie lachen, obwohl es nicht wirklich soo lustig war. Genau genommen konnte man nicht wirklich verreisen. Damals hatte nicht wie heute jede Familie ein Auto und in die osteuropäischen Länder konnte man auch nicht wie man wollte. Das war auch damals schon oft eine Frage des Geldes bzw. je nach Land, eine Auszeichnung für irgendwelche Verdienste.

Okay, ab jetzt darf wieder gelacht werden. Man stelle sich eine Familie mit 2 Kindern vor. Eingefercht in einem PKW Trabant ging die Autofahrt los. So ähnlich fing dann auch immer mein Schulaufsatz nach den 8 Wochen Sommerferien an. Das war Pflicht und wohl auch eine Art der Aushorchung in der Schule, was man denn alles in den Ferien machte. So schrieb man dann eben über den Urlaub.

Ein Ossi hatte auch die Angewohnheit, seinen halben Hausrat mitzunehmen. Ja, in eine Pappschachtel passte nicht nur viel rein, sondern auch oben drauf. Es wurde dann auch mal das Kinderbett von zu Hause mitgenommen. Es war normal und muss dann wohl wie ein Fahrzeug aus dem Orient ausgesehen haben. Heute würde man damit todsicher von einer Polizeikontrolle angehalten werden.
Die Autobahnen waren auch da, aber eben leerer als heute. Wobei ich mich sogar an einen Stau erinnern konnte. Aber auch nur, weil wieder irgendein Funktionär durch die Lande zog und die Strecken gesperrt wurden.

Man war aber nie alleine im Urlaub, sondern eben je nachdem wer den Urlaub buchte, mit Arbeitskollegen + Famile da. Oft hatten sie Kinder im gleichen Alter und es wurde nie langweilig.
Tja, was wurde da eigentlich so den ganzen Tag gemacht? Grundsätzlich holten die Männer früh mit dem Rad Brötchen. Das waren ca. 5 km quer durch den Wald. Wie auch heute noch üblich, hatte jeder Bungalow eine Terrasse, auf der dann später gefrühstückt wurde. Mitten im Wald, früh den Eichhörnchen oder dem Specht zuzuhören war schön. Meist ging es dann früh runter zum See. Oft auch mit dem Rad, denn die waren auch eine Art Standard in den Objekten und mussten nicht von zu Hause mitgenommen werden. Mal guckte man einem Angler zu, mal ging man schon früh Baden, oder man fuhr mit dem Rad einfach um den See. Alles ohne Aufpasser und spontan wie man Lust hatte. Heute wohl undenkbar, seine Kinder alleine rumfuhrwerken zu lassen.

Das Motorboot! Anfangs gab es noch eins dem Objekt zugeordneten. Natürlich durfte man es auch da schon nur mit einem Bootsführerschein fahren. Daddy hatte eins und man war stolz. Familienausflug zu viert, oder eben wenn dann Urlaubsbesuch dabei war, Oma und Opa mit drin. Das ging einmal in die Hose, da 6 Personen in einem Boot dann doch etwas schwer waren. Oma meckerte dass Opa zu schwer sei. Irgendeiner musste ja schuld sein. Wir blieben in einem Kanal stecken und kamen eher durch Zufall wieder frei.
Lenken dufte ich natürlich auch immer mal und war stolz die Hanne. Aber auch nur, wenn mal gerade kein Boot der Wasserschutzpolizei in Sicht war. Natürlich gab es auch in diesen Gebieten schon immer FKK Gebiete. Ein Fernglas hatte man eh immer mit und wer hat da wohl wohin geguckt?
Je nach Wetterlage oder Laune, konnte man auch bis fast nach Berlin, nach Erkner fahren. Musste dort allerdings an der Wassertankstelle auftanken.

Es musste natürlich auch immer Berlin besucht werden. Schon aus Gründen des Konsumrausches. Dort gabs ja für damalige Verhältnisse immer alles, was man sich sonst in der restlichen Republik, durch Beziehungen, ergaunern musste. Es war ja auch Vorzeigestadt des Landes und durfte ja immer nicht im schlechten Licht stehen. Und ja, es ging auch soweit, dass unliebsame Menschen zwangsumgesiedelt worden und u.a. auch dann in Querfurt lebten.
Aus ökologischen Gründen (bei den Preisen damals *hahaha*) führen wir bis Erkner und dann mit der S-Bahn rein ins Vergnügen. Je nach Tag hieß es eben Shopping, Museen und historische Orte besuchen, Spaß in Vergnügungsparks oder einfach nur mal Essen gehen und relaxen.
Ich erinnere mich da nur zu gern an den Plänterwald in Berlin. Das Grauen jeder Eltern. Bei uns hieß er „Plämperwald“ und wurde mit „wüdder’s janze Jeld verplämpern“ abgetan. Das Problem war aber nicht das Geld, denn die Preise waren eben auch dort sehr billig, sondern das nervige dutzendfache fahren mit der Gespensterbahn, Riesenrad und und und … wie Kinder eben so sind! Cool war vor allem das drehende Haus. Man saß drinnen, es bewegte sich aber nur die Hülle. Man hatte aber den Eindruck, dass man sich mitdreht. Eine Achterbahn, Autoscooter gab es auch und solche Tage waren leider immer zu schnell zu Ende.
Erwähenswert wäre auch noch die Fahrt dorthin. Umsteigen musste man am legendären Bahnhof „Rostkreuz“. Ich war dort nie wieder, aber man wusste nie welchen Bahnsteig man benutzen musste, wenn man umstieg. Es konnte schon passieren, dass man in der falschen S-Bahn saß. Ja und wie sollte es auch anders sein, traf man in der Metropole auch immer bekannte Gesichter. Ob mal alte Schulfreunde meiner Eltern, oder eben auch ganz zufällig wieder die Urlaubsbekanntschaften. Oder war es doch kein Zufall? Keine Ahnung!

Wenn man die Geschäfte „Unter den Linden“ abklapperte, kam man nicht nur an den ganzen Botschaftsgebäuden vorbei, sondern ging auch immer zum „Brandenburger Tor“. Okay, was heißt zum? Man kam ja nie bis ran und wurde durch einen Zaun vor dem Pariser Platz daran gehindert. Man sah dort schon die Grenzer Streife laufen bzw. standen sie auch immer mal in Gruppen rum und rauchten. Auf der anderen Seite der Mauer sah man die gut besuchten „Huhu-Ossi-WinkeWinke-Tribühne“. Die winkten immer mal und ich, klein wie ich war, winkte zurück. Ein böser Blick und ein „Ey, wenn das einer sieht“ bekam ich zuhören. Aber an jenem Tag war es heiß, die Grenzer schwitzten, hatten wohl keine Lust zum „arbeiten“ und es waren noch mehr winkende Kinder dabei. Einige in der Gruppe zwinkerten mir zu und grinsten sich leicht einen ab. Wenige Jahre später waren die Grenzen offen und heute kann man sich sowas gar nicht mehr vorstellen.
Ich erinnere mich an eine Klassenfahrt, als es „nur“ noch Grenzkontrollen gab und uns ein Grenzer nicht ohne Visum zum Reichstag gucken lassen wollte. Aber als gelernter Ossi lernte man eben auch mit gespaltener Zunge zu reden und am Ende durfte man durch gutes Zureden unserer Klassenlehrerin rüber.
Überall sah man Mauerspechte und Künstler. Die Mauerspechte verkauften Mauerstücke zu völlig überteuerten Preisen und auch nur in DM. Völlig fies wie wir fanden, damit noch Geld zu verdienen. Aber wir waren auch nicht von gestern und ein Mitschüler meinte nur „Da, Polizei!“. Ein Verkäufer hatte Angst, weil er wohl keine Erlaubnis für seinen Stand hatte und packte hastig zusammen. Fix jeder noch ein Mauerstückchen gemopst. Ich meine es heute noch, in irgendeiner Schachtel. zu haben. Das wird nicht verkauft, schließlich starben da Menschen, Familien wurden getrennt und es ist Geschichte, mit der sorgsam, jenseits von Kommerz umgegangen werden sollte.
Auf späteren Klassenfahrten, welche dann auch oft in die alten Bundesländer führten, wurde uns teils eingehämmert, wir sollen z.B. „Oar, ne Schlange. Ist ja wie beim Bananan anstehen“ nicht sagen und auch ordentliches hochdeutsch reden.
Natürlich hielt sich da nie einer daran. Warum denn auch? Ich meine wenn man aus diesem Land nun mal kam, nichts anderes kannte, kann man sowas nicht einfach per Knopfdruck abstellen.
Es war andersrum auch nicht anders. Klassenfahrt und Stadtrundfahrt in München. Die Stadtführerin wollte uns u.a. ständig erklären wer Hitler war, das Bayern ein Bundesland ist und und! Das wurde dann einer Lehrerin auch zu bunt und sie wies daraufhin, dass sie es mit Abiturienten zu tun habe und sich lieber erstmal über Ostdeutsche informieren müsse, bevor sie so herablassende Äußerungen macht. Als mit einem Abbruch der Fahrt gedroht wurde, verstand sie es wohl dann.
Krass war das Erlebnis in Garmisch-Partenkirchen, als wir anhand unseres Dialektes als Ossis identifiziert worden und mit der Begründung „Betteln verboten“ aus einem Geschäft geworfen wurden.
Man fühlte sich damals schon manchmal sehr erniedrigt. Im Gegensatz zu manch anderen, habe ich es aber irgendwann hinterfragt und eben auch einsehen müssen, dass sich ein Volk über Jahre einfach nur auseinandergelebt hatte. Man sieht hier eben dann auch die Propaganda zweier Weltmächte. Ossis haben eben auch Hochhäuser, schlafen nicht in Zelten und mussten nie Hungern. Auf der anderen Seite sind nicht alle Wessis arrogant, schlafen nicht alle unter Brücken und können auch im Osten nicht alles machen wie sie wollen. Lokales Beispiel, heute noch sichtbar das Gewerbegebiet Ziegelroda. Unsummen an Steuergeldern verplämmpert. Bis heute ungenutzte Infrastruktur. Wer hat es geplant bzw. verwirklichen wollen? … Wer im Westen zu nichts taugt, taugt eben auch im Osten zu nichts. Wir sind ein Land und alle Brüder und Schwestern!

Von Urlaubserinnerungen bis heute … mich erinnert eine Äußerung von Wolfgang Thierse, welcher kürzlich im TV etwas zum Thema deutsche Teilung in den Köpfen äußerte. Sinngemäß meinte er, dass wenn man auf Ossis ständig rumhackt und ihren Unrechtsstaat ständig vorführt, entwickelt man einen Abwehrmechanismus und spaltet immer wieder.
Genauso sieht es auch aus, eine sehr kluge Äußerung. Ich konnte es mir nicht aussuchen, wo ich geboren wurde. Ich kann auch nicht sagen, ich wurde 1990 geboren, sondern 1978. Ich kann auch nicht sagen, dass ich in den 12 Jahren ständig schlecht lebte und eine unglückliche Kindheit hatte. Das wäre einfach eine Lebenslüge. Es geht nicht darum, dass man alten Zeiten nachtrauert und sie womöglich wieder haben will, sondern einfach darum, seine eigene Identität zu wahren. Es gibt auch heute keine „Rund um die Uhr Politik“, sondern auch das stinknormale Alltagsleben, mit allen Macken und Problemen!

Natürlich kann man heute überall hin in den Urlaub fahren, hat nur nicht mehr so das Geld dazu und muss mehr denn je sparen. Aber um welchen Preis sollte man sowas eintauschen, wenn man meinte es war mal glücklicher?

Mein Traum war schon vor über 20 Jahren einen Computer zu haben. Den konnte sich aber keiner leisten. Aus heutiger Sicht wohl mit der Anschaffung eines Mittelklassewagens zu vergleichen. Der Traum wurde kurz nach 1990 war und entwickelte sich schneller weiter als man ahnte.
Heute haben wir Internet und können alles schreiben, wenn es im Rahmen bleibt und nicht in Gewaltdrohungen endet. Schon mit diesem Blog würde ich 20 Jahre zurückgerechnet, schon längst in einem Gefängnis sitzen, oder jeden Beitrag wohl vorher zur Zensur überprüfen lassen.

Ich frage mich immer wieder, was sich manche Menschen aufregen. Sie wissen gar nicht mehr wie gut es einen geht. Auch heute noch sitzen Menschen in Gefängnissen, weil sie progressiv denken und vor allem ihre Meinung nicht frei äußern können. Die elementarste Eigenschaft um überhaupt es verändern zu können heißt eben Freiheit!

Wir sind nach 20 Jahren gewiss schon viel weiter, aber haben die Trennung in den Köpfen noch lange nicht überwunden. Diese existiert nur durch Schönfärberei im TV. Eine Freundin aus den alten Bundesländern meinte kürzlich, dass wir noch 2-3 Generation brauchen werden. Ich glaube sie hat Recht. Auch bei noch so guten Freundschaften, gibt es auch heute noch kleinere Konfliktpunkte. Aber diese werden immer mehr mit Humor abgetan. Aber so ist sie und ich und nicht alle.

Die Hoffnung stirbt zuletzt für einen Augenblick Freiheit

Joar …

Die Geschichte von der Hexe

Die nachfolgende Geschichte hat sich tatsächlich so zugetragen und basiert auf persönlichen Erlebnissen!

Hattest du auch schon mal einen Psychokrimi gesehen, der Unbehagen in der hervorrief? Es treten Gestalten in Erscheinung, welche es nicht geben kann, oder diese es nicht sein können, das sie nicht mehr leben? Du bist Realist und glaubst nicht an Geister?

Irgendwann Anfang der 80 Jahre. Ich war ein Kleinkind und wohnte in der Innenstadt von Querfurt. Ein beschauliches Leben in einer Kleinstadtidylle. Nichts ungewöhnliches. Bis an jenem Tage alles anders sein sollte …
Die historische Altstadt von Querfurt beherbergt Häuser im barockem Stil. Haus an Haus kann man bei Dunkelheit problemlos in die Räume auf den gegenüberliegenden Häusern hineinschauen.
Mein Kinderzimmer lag direkt hinter dem Schlafzimmer meiner Eltern. Bei geöffneter Tür hatte man einen kleinen Tunnelblick und konnte so genau das Fenster auf der anderen Straßenseite einsehen.
Eines nachts wachte ich auf, da ich Durst verspürte. Ich hatte immer eine Flasche mit Limonade am Bett stehen. Diese stand etwas weiter, sodass man sich etwas strecken musste, um sie zu ergreifen. Ich trank etwas und schaute Richtung Fenster.
Was war das? Ich sah die Umrisse einer Gestalt hinter dem Fenster auf der anderen Seite der Straße! Scheinbar Müdigekeitserscheinungen und so schenkte ich dem keine weitere Beachtung.

Einige Tage später, ich musste mitten in der Nacht auf Toilette, ging ich Richtung Fenster und wieder war diese Gestalt zu sehen. Diesmal erkannte ich Gesichtszüge, welche mit angrinsten. Voller Entsetzen, machte ich meine Eltern munter und meinte „Da ist eine Hexe am Fenster!“
Die fanden es aber absolut nicht lustig, mitten in der Nacht geweckt zu werden. Mit etwas Verständnis sollte ich dann zeigen wo ich diese gesehen haben will und zeigte auf das Fenster. Es war aber niemand zu sehen, ich kriegte mich wieder ein und schlief normal weiter.
Diese Begebenheit schien aber diesmal nicht ganz spurlos an mir vorbei gegangen zu sein, sodass ich am nächsten Abend zielgerichtet dieses Fenster beobachtete.
Vor dem Schlafengehen auf die Lauer gelegt, doch es passierte einfach nichts.
Doch, in einem unscheinbarem Moment, tauchte diese Gestalt wieder auf! Genau wie am Abend zuvor, schien sie mich anzugrinsen. Sie bewegte sich diesmal, verschwand immer mal und trat wieder ans Fenster!
Wieder erzählte ich es meinen Eltern und langsam fragten die sich wohl, ob ich nicht Fieber habe. Leicht erbost, da mir niemand Glauben schenken wollte, beschwörte ich, ich habe es gesehen!

Es war Herbst und der Nebel zog leicht durch die Straßen. Schaute man aus dem Wohnzimmerfenster, so konnte man zwischen diesem und dem Nachbarhaus hindurchsehen. Diese Schlippe war aufgrund der Stadtbeleuchtung hell erleuchtet und mit Nebelschwaden gefüllt!
„Daaaaaaa!!!“ In den Nebelschwaden tauchte diese Hexe wieder auf und lief hin und her.

Bei meinen Eltern machte es Klick und sie wussten was oder wer es war! Es war eine alte Dame, welche die Besitzerin des Hauses gegenüber war. Sie war die Nachfahrin einer wohlhabenden Bankerfamilie, welche alleine in ihrem Hause wohnte. Sie war betagt und litt an Alzheimer. Sie war etwas verwirrt und verirrte sich immer mal aufgrund ihrer Verwirrtheit in der Nacht! Ihr Grundstück grenzte unmittelbar an den Schießgraben und die Stadtmauer an. An jenem Abend lief sie auf der Stadtmauer umher und lief der Gefahr über, abzustürzen. Zwischenzeitlich wurden Anwohner auch darauf aufmerksam und holten die alte Dame wieder nach Hause.

Die Fenster des Hauses hatten diese wunderschönen alten Butzenfenster. Durch dessen Spiegelungen, in Verbindung mit der Straßenbeleuchtung, muss es wohl etwas unheimlich ausgesehen haben. Kind haben außerdem eine andere Wahrnehmung, als wir Erwachsene.
Wenige Monate später starb diese alte Dame an Altersschwäche und dieser vermeintliche Spuk war nun endgültig vorbei!

Was bleibt ist diese nette Episode aus vergangenen Tagen, welche heute immer mal noch gern erzählt wird. Wenn mal wieder wer am Fenster guckt, werde ich damit immer mal lieb gemeint aufgezogen!

Und wenn sie nicht gestorben wäre, würde sie noch heute am Fenster gucken …

Joar …

Cannon Fodder

Längst vergessen und beim Stöbern durch Zufall wiedergefunden. Ja genau dieses Game zockten wir auch immer bis zum Umfallen.

Langsam kommen die Erinnerungen zurück. Das waren die zeiten, als man noch mit seltsam bunten Jogginghosen unter die Bevölkerung ging. Ich hatte ne giftgrüne, einer ne pinke, einer ne mausgraue … :lol:
Dann wurden kleine Meisterschaften abgehalten bzw. sich immer mal abgewechselt, wenn man nicht weiterkam. Aber am coolsten war schon das Intro und die Musik. Es war ja auch so ein Volkssport, das Spiel zu reseten, nur um nochmal dieses und jenes Intro zu hören. Naja, man war eben noch nicht so verwöhnt wie heutzutage.
Nett war weiterhin, wenn man in Grüppchen saß und sich gegenseitig belegte, wenn mal wieder jemand das Level versaut hatte. Das Ballern mit der Mouse erforderte halt höchste Konzentration.

Und? Sind wir irgendwie auffällig gewesen oder geworden und haben die Gewalt ins Reallife transportiert? Wenn es danach ginge, hätten wir 1000 Gründe gehabt, aber es war nicht mal in unserer Vorstellungskraft existent. Die Spiele besaßen damals noch Ironie, auch Sarkasmus, Humor und wir hatten auch andere Hobbies.
Schulwechsel waren damals auch schon irgendwie Mode. Scheiß Abi, ich gehe auf die Realschule, weil eh alles bescheuert ist und meine Freunde dort nun auch sind. Lehrer wurden doch schon immer geärgert. Mal die grenzen testen, ab wann und ob einer heuelt. Völlig normal und macht jedes Kind zu Hause auch nur.
Gewalt? Welcher Junge wurde nie verprügelt oder hat sich geprügelt? Ich beides. Schließlich sind wir, bin ich ein Mann geworden, mit allen Klischees die dazugehören. Ja wenn mein bester Kumpel mir die Bommel von der Mütze abgerissen hatte, konnte ich ja nicht einfach zusehen, musste handeln, ihm gehörige eine donnern, anschließend mit Publikum auf dem Schulhof raufen und 5 min später war alles wieder in bester Ordnung. :)
Oder wie man so schön sagt: Was uns nicht umbringt, macht uns stärker! Man lernt aus Erfahrungen und kennt dann seine Grenzen!

Hatten wir überhaupt Waffen oder Zugang? Im Groben und Ganzen nie. Was sollten wir auch damit? Alles was wir hatten war virtuell und wenn das Wetter besser wurde, ging es an die firsche Luft, auf Disco, Party, sich mal in Gruppen mit Allhol das Licht ausknipsen und in …. kotzen, Weiber und vor allem gabs die natürliche Grenze, unsere Eltern, die uns einen Marsch geblasen hätten, wenn wir unseren Pflichten nicht nachgekommen wären.

Das Problem heutzutage ist ein anderes. Spiele müssen immer perfekter werden. Wer den tollsten PC hat ist im Rennen. Egal ob jemand Schrott erzählt, wer die besten Finanzen hat, ist der King. Probleme? Es juckt niemanden mehr wie es den Mitmenschen wirklich geht. In Gruppen wird geheuchelt und wenn es mal jemanden wirklich schlecht geht, wird man fallen gelassen. Menschen werden nicht mehr nach Intelligenz, Können beurteilt, sondern nach der finanziellen Basis.
Eines wurde aber richtig erkannt. Eltern müssen sich mehr um ihre Kinder kümmern und was sie am PC so anstellen. Das hat nichts mit Kontrollfanatismus zu tun. Man muss nur verstehen lernen, warum sich jemand für etwas interessiert. Wenn man sich über etwas aufregen will, muss man sich dennoch informieren.

Ich halte es für falsch, nun Schulen als Sicherheitstrakte umzubauen und einige Spiele noch stärker einschränken, oder ganz verbieten zu wollen. Auch ist es völlig bescheuert in Panik nun seinen Kindern den Zugang zu diesen Spielen zu verwehren. Warum? Weil man durch aktives beschäftigen, darüber reden, probieren lassen ein eigenes Differenziervermögen erlernt und selber darauf kommt, es ist ein Spiel und irgendwann mal eintönig und langweilig.

Damals war sowas noch relativ neu und noch echte Familenspiele. Aber es beschäftigten sich alle damit. Unsere Eltern spielten auch immer mal mit. Ich höre heute noch meinen Vater dann sagen: „So ein Scheiß, wenn ich einmal schießen würde, wäre ich gleich tot, habe keine 9 oder Bonusleben und keine Energieanzeige für Treffer!“ Je länger man sich aber einseitig beschäftigt, umso schneller wird ein Genre langweilig. Ich habe jedes Genre probiert und fand dann meinen Meister, Adventurespiele.
Heute ist das auch nicht anders. Ich kann natürlich auch nicht dauernd Adventurespiele zocken, da es dann genauso langweilig wird. Dann spielt man eben mal was anderes nebenbei, oder eben gar nichts, da man noch andere Hobbies hat.

Man muss sich eben wieder mehr mit etwas beschäftigen, alles wissen, was man wissen sollte und kann. Für was haben wir Menschen unser loses Mundwerk? Zum Reden!

Wenn wir dann noch die Leistungen unserer Mitmenschen im Alltag wieder mehr schätzen lernen, offener und ehrlicher werden, uns wieder intensiver mit anderen beschäftigen, sind wir auf dem „Right Way“, dass unsere kranke Gesellschaft wieder genesen wird!

Ich mache den Anfang. „Ringelpietz mit Anfassen“ Waffen machen dumm

Joar …

Vom Umzug und Durst

Wie es eben manchmal so ist, kommt man von Höcksle auf Stöcksle bei Gesprächen. Eigentlich ging es ja nur um die Absprache wegen des Umzuges eine Kumpels. So kam man dann aber eben auf Spaßbilder und eine Karavane die dabei hilft und am Ende eben auf Brauereipferde.

Da fiel mir sofort Uropa 1 von 4 von mir wieder ein. Der war von Beruf Bierkutscher und hatte 2 Haflinger. Die ältere Generation aus Querfurt kennt sicherlich noch die Filiale der Riebeck Brauerei am Lederberg in Querfurt. Da hat er gearbeitet und war mit seiner Kutsche halt nur so bekannt.

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Ich kenne es auch nur noch aus Geschichten, da er noch vor meiner Zeit, im Jahre 1970 mit 85 Jahren verstarb. Was hat das nun mit dem Umzug zu tun?
Es soll sich zugetragen haben, dass sie nach Ablieferung der Fracht auch immer einen kleinen Obolus in Form von Bier bekamen. Einmal muss es wohl etwas zuviel des guten Stoffes gewesen sein, sodass er auf der Kutsche einpennte. Warum auch immer, löste sich die Bremse und die Tiere liefen dann von alleine los, exakt bis vor die heimische Haustür. Nur die Toreinfahrt war die letzte Barriere, sodass der Kutscher dann wieder munter wurde, als die Kutsche dagegen fuhr.

Intelligente Tiere eben! Der Uropa eines guten Kumpels hatte eine Ponnykutsche. Wenn es der Zufall so wollte, holte er ihn damit am Samstag immer aus der Schule ab. Man wäre zwar zu Fuß schneller gewesen, aber cool war das trotzdem und wir irgendwo auch neidisch drauf. Wie kleine Jungens dann eben so sind, riefen wir immer Ho oder Hey wenn die im Stall waren. Nur konnte man das so oft rufen wie man wollte, denn die hörten nur aufs Herrchen. Man könnte meinen, eine altmodische Form der Diebstahlsicherung.
Ponykutschfahrten bei besonderen Anlässen waren häufiger als heute und ansonsten gab es auch in Querfurt Reitställe und eine Reitanlage. Wer von uns guckte damals nicht sämtliche Western und wollte auch mitmachen?
Bei uns in der Familie/Verwandschaft hatte eigentlich jeder mal was mit Pferden zu tun, nur ich nicht. Warum? Allergie! Ich fand das immer total bescheuert, da ich ganz hinten auf ner Kutsche sitzen musste und nix sah!
Festgestellt wurde die Allergie, als früher jedes Jahr auf dem Querfurter Weihnachtsmarkt eine kleine Reitanlage installiert wurde und ich anschließend zum Arzt musste, wegen Hautausschlägen und Schwellungen im Gesicht.
Dafür galoppieren bereits einige Nachfahren munter auf den Vierbeinern und eine gewisse Tradition ist nicht ganz ausgestorben.

Naja, vielleicht sind Kamele ja nicht soo allergisch! Ich denke nach. Wäre doch cool 35 km damit umzuziehen. Hat auch nicht Jeder!

Joar …